|
Sport nach künstlichem Gelenkersatz Fortschritte in der Orthopädie haben es mittlerweile möglich gemacht, vielen Menschen, die an Arthrose, Arthritis oder anderen schweren Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden, durch künstliche Gelenke oder Gelenkteile effektiv zu helfen. Der Funktionszustand der beteiligten Muskulatur ist für die weitere Rehabilitation nach dem Einsatz eines künstlichen Hüft-, Knie-, Schulter- oder Ellenbogengelenkes von größter Bedeutung. Regelmäßiges Training ist Voraussetzung für eine einwandfreie Gelenkfunktion. Die Vorteile körperlicher Aktivität Chronische Gelenkschmerzen zwingen oft zu einem Lebensstil ohne größere Bewegung und beeinträchtigen dadurch ein selbstbestimmtes Leben. Wer von einer Gelenkersatzoperation bestmöglich profitieren will, sollte regelmäßiges trainieren. Sport kräftigt Muskulatur und Skelettsystem, verbessert Körperbeherrschung und Ausdauer, stärkt das Selbstbewusstsein und sorgt dafür, dass Sie im täglichen Leben besser zurecht kommen. Der Beginn eines Trainingsprogramms Nach einem erfolgreichen Gelenkersatz sollten sie schon kurze Zeit später in der Lage sein, ein Übungsprogramm zu beginnen. Besprechen Sie Ihre Pläne aber auf jeden Fall rechtzeitig mit Ihrem Arzt. Fragen Sie auch den Krankengymnasten oder Physiotherapeuten, der Sie nach der Operation im Krankenhaus und während der Rehabilitation betreute, um Rat. Regeln für das Training Lassen Sie es langsam angehen. Probieren Sie unterschiedliche Sportarten aus und entscheiden Sie sich dann für eine, die Spaß macht und Ihnen nicht zu schwer fällt. Trainieren sie am Anfang nicht zu hart. Sie gefährden dadurch den Heilungsprozess. Lassen Sie sich von einem Sportlehrer, einem professionellen Fitnesstrainer oder einem Physiotherapeuten beraten. Wer älter als 60 ist, sollte in erster Linie Muskulatur, Skelettsystem, Beweglichkeit und Körperbeherrschung trainieren. Ausdauersportarten sind weniger wichtig. Schon die tägliche Arbeit in Haushalt und Garten kann ein gutes Training darstellen. Training für Ausdauer und Kondition 1. Wählen Sie Sportarten, die Ihre Gelenke wenig belasten und nicht zu einer schnellen Erschöpfung der Muskulatur führen. In Frage kommen z.B. Gehen, Schwimmen, Wassertreten oder mäßig intensives Radeln auf dem Hometrainer. 2. Trainieren Sie drei- bis fünfmal in der Woche für jeweils 20 bis 30 Minuten bei geringer bis mittlerer Intensität. 3. Fangen Sie langsam an. Verstehen Sie die ersten fünf Minuten als Aufwärmphase, die Ihren Körper auf die Belastung vorbereitet. 4. Wählen Sie das Tempo so, dass Sie sich noch bequem unterhalten können und nicht übermäßig ins Schwitzen kommen. 5. Tempo und die Intensität des Trainings sollten jeweils über die letzten fünf Minuten reduziert werden. Dadurch verringert sich die Durchblutung der Muskulatur, der Körper kann zur Ruhe kommen. Lassen Sie dieses „Cool-Down“ auf keinen Fall aus. Training für Muskulatur und Skelettsystem Dass Krafttraining trägt dazu bei, Knochen und Muskulatur zu kräftigen und die körperliche Fitness zu steigern. Die Aktivitäten des täglichen Lebens fallen dadurch auf Dauer leichter. Die Verletzungsgefahr wird dadurch deutlich reduziert. 1. Trainieren Sie die großen Muskelpartien des Körpers (Beine, Brust, Rücken, Schultern). Arbeiten Sie mit leichten Hanteln, Gymnastikstäben oder Expandern. Machen Sie Liegestütze und Halteübungen für Arme und Beine. 2. Trainieren Sie dreimal in der Woche, dabei aber nicht an direkt aufeinander folgenden Tagen. 3. Trainieren Sie ruhig und kontrolliert, konzentrieren Sie sich ganz auf den beanspruchten Muskel. Training für Beweglichkeit und Körperbeherrschung Die entsprechenden Übungen verbessern Beweglichkeit, Körperhaltung, Körperkontrolle und Gangsicherheit. Das Risiko von Stürzen und Verletzungen kann dadurch reduziert werden. 1. Absolvieren Sie am besten täglich, mindestens aber an vier Tagen in der Woche ein Dehnungsprogramm mit Übungen für die großen Muskelpartien (Beine, Brust, Rücken, Schultern). 2. Dehnen Sie sich langsam und kontrolliert. Behalten Sie die gedehnte Position für 10 bis 30 Sekunden bei und vermeiden Sie ruckartige Bewegungen. 3. Dehnen Sie sich, wenn die Muskulatur gut aufgewärmt ist. Also z.B. nach einer Wanderung oder einer heißen Dusche. Vorsicht! 1. Beginnen Sie das Ausdauertraining besonders vorsichtig und steigern Sie seine Intensität und Dauer nur ganz allmählich. 2. Vermeiden Sie während eines angeleiteten Gruppentrainings (z.B. Aerobic) plötzliche Bewegungsänderungen und Schwerpunktverlagerungen. Sie können zum Sturz führen. 3. Rennen und Joggen belasten Knie- und Hüftgelenke übermäßig stark und sind deshalb für Menschen mit entsprechenden Gelenkprothesen nicht zu empfehlen. 4. Fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten, welche Übungen für die neuen Gelenke eine zu große Belastung darstellen und deshalb besonders zu Beginn des Trainings zu vermeiden sind. 5. Vor allem am Anfang sind leichtere Gelenk- oder Muskelbeschwerden nach dem Training normal. Stärkere Schmerzen und solche, die länger als ein bis zwei Stunden anhalten, bedürfen allerdings unbedingt ärztlicher Abklärung. 6. Beenden Sie das Training sofort und suchen Sie Ihren Arzt auf, wenn sich folgende körperliche Warnsignale einstellen: Brustschmerzen, Atemnot, Schmerzen in Hals, Unterkiefer oder linkem Arm, ungewohntes Herzklopfen, starke Muskel- oder Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ausgeprägte Erschöpfung.
|